Königlicher Besuch

(Dieser Artikel ist am 04. Januar 2024 in Der Tagespost erschienen)

In unserem fünfköpfigen Haushalt leben wir das Kirchenjahr auf besondere Art und Weise. Seit meine Kinder klein sind, ist es mir ein Anliegen, die kleinen und großen Feste des liturgischen Jahres für sie erleb- und greifbar zu machen. So feiern wir zum Beispiel am Vorabend von Allerheiligen (Halloween) eine Allerheiligen-Party, bekämpfen die Drachenpinata am Erzengeltag, Waschen uns gegenseitig die Füße am Gründonnerstag und basteln zusammen einen Fastenzeitkalender. Ab dem 25ten Dezember sind deswegen in unserem Haus die Figuren der drei Könige auf dem Weg zur Krippe. Jeden Tag wandern sie ein Stück weiter: vom Kamin zum Bücherregal, hin zum Klavier, weiter zum Sofa. 12 Tage lang sind sie unterwegs, um dann am sechsten Januar endlich bei Jesus im Stall anzukommen, denn an diesem Tag feiern wir das Dreikönigsfest.

„Erscheinung des Herrn“ ist der richtige Name dieses Festes, denn Jesu Gottheit wird hier das erste Mal sichtbar in der Anbetung durch die Sterndeuter. Es ist die erste von drei Offenbarungen Gottes, die wir in den darauffolgenden Wochen feiern. Die Sterndeuter aus fernen Ländern verbeugen sich vor dem Jesuskind und zeigen damit, dass Jesus zu allen Menschen dieser Welt gekommen ist. Die zweite Offenbarung geschieht in der Taufe Jesu, am darauffolgenden Sonntag. Hier offenbart sich uns die Gottheit Jesu, wenn Gott Vater sagt: „Dies ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe.“ (Mt 3,16-17). Am Sonntag danach lesen wir die Geschichte der Hochzeit zu Kana: (Joh2, 1-11) dort wird Jesu Allmacht offenbar, wenn er Wasser in Wein verwandelt.

Geschenke und Zimtsterne

Das Matthäusevangelium (2,1-12) erzählt uns am Hochfest der Erscheinung des Herrn die Geschichte von den drei Weisen aus dem Morgenland, die schon viele Jahre auf der Suche nach dem verheißenen Stern (Num 24,17) waren, der die Ankunft eines Königs ankündigte. Endlich hatten sie den Stern entdeckt und machten sich mit Geschenken auf den Weg nach Betlehem.

Diese Geschenke kommen auch bei uns zu Hause an, denn die Könige machen auf ihrer Reise zur Krippe auch bei uns kurz Halt. Am Abend vor dem Dreikönigstag legen meine Kinder Heu oder Gras als Futter für die Kamele der Könige vor die Türe. Am nächsten Morgen finden sie dann Zimtsterne (die Weisen waren Sterndeuter) oder Goldtaler, vielleicht auch noch ein kleines Geschenk, das die Könige dagelassen haben. Die Idee, jemand anderem eine Freude mit einem Geschenk zu machen, haben wir hier auch schon umgesetzt: wenn die Sternsinger bei uns von Haus zu Haus gehen, dürfen die Kinder ihnen ein Geschenk mitgeben oder sie machen sich selbst als Sternsinger auf den Weg. Unsere Jungs freuen sich jedes Jahr, dass sie in die Fußstapfen der Könige treten dürfen, um anderen Geschenke zu bringen. Der Segen den sie dabei spenden bedeutet:

Jesus wird bei uns zu Hause willkommen geheißen und darf Teil unseres alltäglichen Lebens sein. Nachdem meine Kinder das Weihrauchfass gerne selbst schwingen, machen wir uns, manchmal auch gemeinsam mit einem Priester, jedes Jahr selbst auf den Weg durch unser Haus. Dabei beten wir in jedem Zimmer für den jeweiligen Bewohner, für die Gäste die wir im kommenden Jahr beherbergen dürfen und für unser Haus, dass es ein Ort ist, an dem Jesus wohnt. Ein Vorschlag für eine Haussegnung findet sich unten.

Königskuchen

Die Namen der drei Könige sind seit dem sechsten Jahrhundert als Caspar, Melchior und Balthasar überliefert (manche Quellen sagen, dass die Namen aus der Abkürzung der drei Segensbuchstaben abgeleitet wurden: C+M+B heißt Christus Mansionem Benedicat). Sie werden dargestellt als Repräsentanten für die drei damals bekannten Kontinente Europa, Asien und Afrika sowie auch für die drei Lebensalter. Der Gedanke an die Könige aus unterschiedlichen Kontinenten ist ein guter Anlass, um vielleicht internationale Kochrezepte und Speisen aus anderen Ländern auszuprobieren. Wir werden es dieses Jahr versuchen, auch wenn meine Kinder am liebsten Pommes essen. Vielleicht nehmen wir deswegen dieses Jahr die Alternative und backen einen großen Stern aus Hefeteig.

In vielen Ländern gibt es an diesem Tag den traditionellen Königskuchen (auch King´s Cake, Rosca de Reyes oder Galette de Rois genannt). Wir backen diesen Kuchen in einer Guglhupf- oder Kranzform und verzieren ihn dann königlich mit weißer Zuckerglasur. Man kann ihn auch in einer normalen Backform backen und mit einer goldenen Papierkrone, oder den Gaben der Könige, Gold (Schokogoldtaler), Myrrhe (Walnüsse) und Weihrauch (Haselnusskrokant), schmücken.

Um diesen Tag aber sichtbar zu etwas Besonderem zu machen, dekorieren wir das Haus in der liturgischen Farbe Weiß, außerdem mit kleinen Krönchen, zum Beispiel als Serviettenringe.

Den Tag beschließen wir mit einem kleinen Spaziergang im Dunkeln, um, so wie die Sterndeuter, noch einmal die Sterne anzuschauen. Wir nehmen Sterndlwerfer (Wunderkerzen) mit, zünden sie an und denken dabei daran, dass Jesus, das Licht der Welt, zu jedem von uns gekommen ist und in unserem Herzen wohnen möchte.

 

Kommentare

Leave A Comment